Presse

Alter Glanz

von Jürgen Wenzel

Antike Schmuckstücke verfügen nicht nur mittels ihrer oft bewegten Geschichte über eine besondere Strahlkraft, sondern sind von Sammlern auch heiß begehrt. Fündig wird man auf Messen und Fachgeschäften – und sogar manchmal im eigenen Garten.

Es sind handfeste Zeitzeugen großer historischer Epochen und Ereignisse: Nichts belebt so sehr die Fantasie und trägt dramatischere Geschichten in sich als historischer Schmuck. Seine Anziehungskraft beschränkt sich nicht nur auf die glücklichen Damen, die ihn tragen dürfen, sondern auch auf einen immer größer werdenden Kreis von Sammlern. Und dieser besteht paradoxerweise vorwiegend aus Männern.

Davon kann auch Berliner Schmuckhändler und Experte für antiken Schmuck, Ulf Breede, berichten. Oftmals bringen wohlhabende Damen und Liebhaberinnen von antikem Schmuck männliche Experten in sein Geschäft, die sie bei der Kaufentscheidung beraten sollen. Wie im Fall einer Kölner Sammlerin, die Breedes Laden regelmäßig mit einem Kustos des Berliner Museums für angewandte Kunst besuchte. Der Meinung des Fachmanns kam zwar eine gewisse Bedeutung zu, aber wenn der Dame ein bestimmtes Stück nicht gefiel, das von dem Experten für attraktiv befunden wurde, wurde es trotzdem nicht gekauft.

Diskretion über seine erlesene Kundschaft zählt für den 1937 geborenen Schmuckexperten zu den wichtigsten Tugenden. Ein Grund dafür mag Breedes Überzeugung sein, mit Werten nicht hausieren zu gehen oder gar zu prahlen. So ist denn auch die schlichte Eleganz das Auffallendste an dem Schmuckfachhandel, den Breede in der Fasanenstraße führt.

Das Thema Schmuck wurde dem Spross einer Juweliersfamilie von seiner Familie weitergegeben. Schon der Urgroßvater war Goldschmied und legte den Grundstein 1859 in Kiel mit einem Geschäft für Gold- und Silberwaren. In vierter Generation übernahm Breede das Familienunternehmen Anfang der 1970er-Jahre. In den 80ern beschritt Breede dann eigene Wege. Ein Kollege aus Holland hatte ihn eingeladen, eine Ausstellung mit altem Schmuck auf die Beine zu stellen. Aus anfänglichem Interesse und reiner Neugier wurde eine lebenslange Leidenschaft. Mit dem Umzug in die Münchner Residenzstraße gab Breede 1986 das Kieler Geschäft und die Werkstatt auf und spezialisierte sich seither auf den Handel mit Schmuckschöpfungen vornehmlich des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er-Jahre.

Breedes Angebot erstreckt sich auf Kleinodien von Cartier bis Tiffany, Schmuckkünstler des Historismus wie Alessandro Castellani oder Eugène Fontenay sowie mit Georges Fouquet oder Lalique die großen Namen des Art Nouveau. Manches Stück bedarf schon einer Lupe, um seine Schönheit zu erkennen. Bei dem schmalen 1930er-Jahre-Armband von La Cloche ist die Raffinesse der winzigen Saphire mit dem bloßen Auge nicht sichtbar: Jedes der über 100 Steinchen ist ein geniales Unikat und von Hand geschliffen.

Oftmals waren die Schöpfer weniger namhafte oder unbekannte Gestalter, deren Werke durch Originalität bestechen, wie der 1780 in England gefertigte Goldring, dessen Smaragd von Rubinen und zwei in Silber gefasste Diamanten umgeben ist. Andere Stücke haben eine besondere Geschichte, wie der Burgtheater-Ring, der 1929 an Gerhart Hauptmann verliehen wurde.

Diskretion wahrt Breede nicht nur bei seinen Kunden, sondern auch bei den Preisen. Der Ring aus dem 18. Jahrhundert kostet zwischen 5.000 und 10.000 Euro, der Goldring mit einem Brillanten und Gerhart-Hauptmann-Provenienz liegt bereits in der nächst höheren Preisklasse.

Das innere Feuer

von Michaela Nolte

Auch wenn die Malerei wie kein anderes Medium den Kunstmarkt derzeit beherrscht – es gibt viele andere Kunstformen, in die Sammler ihr Geld und ihre Leidenschaft investieren. Die Seite „Kunst & Markt“ stellt in ihrer Sommerserie Händler aus Berlin vor, die sich auf ihrem Spezialgebiet einen Ruf erworben haben.

E.T. A. Hoffmann lässt den Goldschmied Cardillac in „Das Fräulein von Scuderi“ gleich mehrere Morde begehen, um seine Edelstein-Kreationen zurückzubekommen. Und Marilyn Monroe hat es in „Blondinen bevorzugt“ auf den Punkt gebracht: „Diamonds Are a Girl’s Best Friend.“ Edler Schmuck bietet seit jeher den Rohstoff für Mythen und Geschichten, seine Anziehungskraft vor allem auf Frauen ist ungebrochen.

Vorwiegend weiblich ist auch die Klientel von Ulf Breede: „Allerdings sind die Sammler im großen Stil eher Männer. Frauen wollen ihren Schmuck tragen. Ein Sammler wie der britische Ölmagnat Calouste Gulbenkian ließ bei René Lalique direkt für die Vitrine fertigen. Ein Brillant kann noch so viel Feuer haben, für die weibliche Kundschaft muss er zu ihrem Typ, zu ihrer Garderobe passen.“ So war es auch bei der Kölner Sammlerin, die Breedes Laden regelmäßig mit einem Kustos des Berliner Museums für Angewandte Kunst besuchte. Die Meinung des Fachmanns war von Gewicht, aber wenn ihr ein Geschmeide nicht gefiel, wurde es nicht gekauft. Denn zu entsprechenden Anlässen hat die mittlerweile verstorbene Dame ihre Preziosen für einen Abend aus dem Museum „geborgt“.

Näheres über die Mäzenin mit dem erlesenen Geschmack verrät Breede nicht. Diskretion zählt für den 1937 geborenen Schmuckexperten zu den wichtigsten Tugenden. Das mag in seiner norddeutschen Herkunft gründen, ebenso in seiner Überzeugung, dass man mit Werten nicht wuchern soll. So ist denn auch das Auffallendste am kleinen Ladengeschäft, das Breede seit 1994 in der Fasanenstraße führt, dessen schlichte Eleganz.

Der Schmuck wurde dem Spross einer Juweliersfamilie in die Wiege gegeben. Schon der Urgroßvater war Goldschmied und legte den Grundstein 1859 in Kiel mit einem Geschäft für Gold- und Silberwaren. In vierter Generation übernahm Breede das Familienunternehmen Anfang der siebziger Jahre. Doch in den Achtzigern beschritt Breede eigene Wege. Ein holländischer Kollege hatte ihn eingeladen, eine Ausstellung mit altem Schmuck zu organisieren. Es blieb nicht bei einem Abstecher in historische Gefilde. Aus anfänglicher Lust wurde eine Leidenschaft. Mit dem Umzug in die Münchener Residenzstraße gab Breede 1986 das Kieler Geschäft und die Werkstatt auf und konzentriert sich seither auf den Handel mit Schmuckschöpfungen vornehmlich des 19. Jahrhunderts bis in die fünfziger Jahre.

Faible für antiken Schmuck

von Frank Wegner

Seit 150 Jahren eine Kieler Institution: Ulf Breede ist der Chef eines Traditionsunternehmens

Man kann sicherlich davon ausgehen, dass der Kieler Bürger und Goldschmied Wilhelm Friedrich Ludwig Breede im Jahre 1859 nichts mit der Einführung der Spektralanalyse in die Wissenschaft zu tun hatte. Vielleicht hat er davon sogar nie erfahren. Dennoch war jenes Jahr für ihn ein entscheidendes: Er hatte mit dem Eintrag ins Bürgerbuch der Stadt Kiel das Recht erworben, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Und dies tat er dann auch. Die Gold- und Silberwerkstatt W. Breede öffnete in der Kieler Vorstadt ihre Pforten. Heute ist die Spektroskopie ein wichtiges Hilfsmittel zur Untersuchung von Edelsteinen. Und heute ist der Name Breede in der Juwelier- und Antiquitätenbranche ein Name mit internationalem Ruf.

Ulf Breede, der Urenkel Wilhelms, führt die Firma, die in diesem Jahr ihr 150jähriges Bestehen feiert, in Berlin. "Mein jetziges Geschäft ist nicht mehr mit dem von damals zu vergleichen", meint Breede mit einem Schmunzeln. Der 1937 geborene Juwelier erlernte, wie sollte es anders sein, den Beruf eines Goldschmiedes und absolvierte zudem eine kaufmännische Ausbildung. "Leider hatte ich zwei linke Hände", sagt er mit einer bescheidenen Untertreibung. "Sehen was gut war, konnte ich aber schon früh." Und so war es klar, dass Breede die händlerische Laufbahn einschlagen würde.

Das war Tradition im Hause Breede, deren Geschäft nur zeitweilig während des Zweiten Weltkrieges geschlossen war. "Meine Mutter erzählte mir immer, wie nach der Währungsreform 1948 eine Frau ins Geschäft kam und für die ganzen vierzig Mark, die jeder Deutsche erhalten hatte, eine Kette kaufen wollte." Dies hatte sie überzeugt, dass es irgendwie weitergehen würde. Ulf Breede absolvierte nach seiner Ausbildung einige Jahre bei angesehenen Häusern wie Brettschneider in Osnabrück, Brahmfeld & Gutruf in Hamburg, Gübelin in Luzern und Mellerio in Paris. 1963 trat er dann in vierter Generation in die Familienfirma, die damals sein Vater leitete, ein. Mitte der Siebziger Jahre übernahm er sie dann selbst.

Von Anfang an hatte Ulf Breede ein Faible für alten und antiken Schmuck, der immer noch eine der besten Wertanlagen ist. Ein holländischer Kollege brachte ihn auf die Idee, eine Ausstellung mit altem Schmuck zu machen, die Breede dann 1975 in Kiel realisierte. Sie wurde ein voller Erfolg und für ihn war klar, dass er sich spezialisieren musste. "Mit neuem und altem Schmuck gleichzeitig zu handeln, geht nicht,"

Ein Juwelier aus München lockte ihn in die bayrische Landesmetropole, wo er von 1986 an für zehn Jahre in der Residenzstraße 11 sein Geschäft führte. 1994 kam in Berlins nobler Fasanenstraße eine Dependance hinzu, die zwei Jahre später zu seinem einzigen Geschäftssitz wurde. "Es musste sein, denn die Kunden erwarten von mir immer eine persönliche Beratung und Betreuung." Breede ist heute in Deutschland einer der wenigen Juweliere, wenn nicht gar der einzige in der Champions League, der mit altem Schmuck handelt, da hierzulande eher die Antiquitätenhändler diese Sparte besetzt halten.